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Steigender Handlungsdruck bei gesetzlichen wie privaten Krankenkassen

    • Die Expertenrunde der FES ist der Auffassung, dass eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der GKV allein zu kurz greift.

    • Unter anderem werden Lösungen für die offensichtlicheren Probleme des dualen Finanzierungssystems gebraucht.

    • Seit Langem werden Versorgungsunterschiede nach Einkommen und Status angeprangert. Vergütungsunterschiede für Ärzt_innen und weitere Leistungserbringer in gesetzlicher und privater Krankenversicherung sind für niemanden nachvollziehbar.

    • Und es kommen weitere Probleme - u.a. Beitragsschulden und Implosionstendenzen - hinzu:
  • Wachsende Beitragsschulden

    Nach einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts (WIdO) der AOK sind 2015 die Beitragsschulden der Versicherten in der GKV auf 4,48 Milliarden Euro gestiegen – 1,24 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

    Insbesondere die wachsende Zahl von (Solo)-Selbstständigen schultert eine erhebliche Beitragslast. Sie müssen in der GKV durchschnittlich 46,5 Prozent ihrer Einkünfte für die Versicherung aufwenden. In der PKV sind es in dieser Gruppe sogar 58 Prozent.

    Wissenschaftler_innen sehen dafür im dualen Versicherungssystem keine gangbare Lösung (Haun/Jacobs 2016: 29). So sei das Geschäftsmodell der PKV vom Grundsatz her nicht dazu in der Lage, auf sich ändernde individuelle Erwerbs- und Lebenslagen der Versicherten zu reagieren.

    Aber auch in der GKV würden die Beitragsregelungen der konkreten Situation vieler Selbstständiger nicht mehr gerecht.

    An der solidarischen Finanzierung des Krankenversicherungsschutzes müssten sich alle Bürger_innen beteiligen.

  • Implosionstendenzen der PKV

    Das Ausgabenproblem der privaten Versicherer ist durch ein mangelndes Steuerungsinstrumentarium bedingt.

    Die PKV ist abhängig von den Entwicklungen am Kapitalmarkt. Nicht nur in Zeiten von Negativzinsen ist dies problematisch. Privat Versicherte müssen seit Jahren stärker steigende Beiträge als Versicherte in der GKV hinnehmen oder zu einem anderen Tarif im gleichen Unternehmen mit geringerem Leistungsumfang bzw. höherer Selbstbeteiligung wechseln.

    Die lebenslange Leistungsgarantie ist für viele PKV-Versicherte inzwischen nur noch eine Illusion.

    Circa 400.000 Versicherte der PKV befinden sich in prekärer ökonomischer Lage. Sie müssen bis zu 50 Prozent ihres Einkommens (Soloselbstständige sogar 58 Prozent, Haun/Jacobs 2016: 27 f.) für die PKV aufwenden. Der hohe Anteil säumiger Versicherter in der PKV ist daher nicht überraschend. 





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