IRAN & SAUDI-ARABIEN

Vormacht in Nahost (ab 1979)

Saudi Arabien gegen Iran und Sunniten gegen Schiiten

Große soziale Unterschiede und eine kleine Elite, die sich bereicherte, prägten in der Mitte des 20. Jahrhunderts die rohstoffreichen Länder des Nahen und Mittleren Ostens. Gegen Erdöl wurden Waffen und Technologien geliefert und damit die Bevölkerungen unterdrückt.
     Die iranische Revolution von 1979 lässt sich unter diesen Gesichtspunkten durchaus mit den Aufständen von 2011 vergleichen. Die Menschen gingen auf die Straße gegen ein korruptes Schahregime, gegen die ständige Einmischung des Westens, gegen steigende Lebenshaltungskosten und für soziale Gerechtigkeit. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Machthabers der islamischen Republik Ayatollah Khomeini war die Stornierung der Verträge mit den USA, über Ölförderung und Rüstungsgüter.

Mit friedlichen Demonstrationen wollte sich die persische Bevölkerung endgültig vom Einfluss der USA befreien. Doch die Iranische Revolution von 1979 markiert den Anfangspunkt für einen der größten Konflikte unserer Zeit

Hier nimmt einer der größten Konflikte, die wir heute haben, seinen Lauf. Der schiitische Iran wollte seine Idee der islamischen Revolution in die Region exportieren. Er geriet so mit der anderen, sunnitischen Regionalmacht Saudi-Arabien aneinander. Seitdem tobt ein Kampf um die Vormachtstellung, in welchem Konfessionen immer weiter instrumentalisiert und gegeneinander aufgebracht wurden.
     Die Folgen sehen wir heute am deutlichsten im Irak, wo die selbsterklärte äußerst gewalttätige IS-Organisation ihren Anfang als sunnitische Bewegung gegen Schiiten nahm, die mit Hilfe der Amerikaner und der Iraner die sunnitische Minderheit des Landes unterdrücken. Aber auch in Syrien und anderswo scheinen die Stellvertreterkriege, in denen Religion mit politischen Interessen vermischt wird, kaum noch lösbar zu sein.

Die machtpolitische Polarisierung von Sunniten und Schiiten wurde durch den Einmarsch der Amerikaner in den Irak 2003 weiter befeuert

Saudi-Arabien entwickelte sich dank einer gewieften Politik, die Erdöl als strategisches Mittel einzusetzen wusste, innerhalb kürzester Zeit vom Nobody zum Global Player. Die beiden größten Ölmächte Iran und Saudi-Arabien haben heute überall auf der Welt ihre Finger im Spiel und verwickeln den Nahen und Mittleren Osten in immer neue Konflikte.
    Der gesamte „Krieg gegen den Terror“, der bereits unter Ronald Reagan Mitte der 1980er ausgerufen wurde, fand im Zeichen des Erdöls statt und sollte und soll vor allem eine Weltordnung schützen, die westlichen Interessen dient. Eine solche Politik konnte langfristig nur in die Krise führen. Gleichzeitig hat sich der Terrorismus seit den antikolonialen Unabhängigkeitskriegen Mitte des 20. Jahrhunderts zum Mittel der Wahl entwickelt, wenn es darum geht, sich gegen westlichen Imperialismus oder überhaupt gegen Unterdrückung zur Wehr zu setzen. Will man ihn wirksam bekämpfen, muss man als erstes seine Ursache beseitigen: eine einseitige Interessenpolitik, die manchen Vorteile verschafft und dafür viele ausbeutet.

In wenigen Jahrzehnten wuchsen auf der Arabischen Halbinsel dank ihres Ölreichtums hochentwickelte Megastädte aus dem öden Wüstenboden in den Himmel