1969 - 2019: Fünfzig Jahre Mondlandung





3. Kosten und andere Explosionen



1986 explodierte die US-Raumfähre Challenger mit sieben Astronauten an Bord kurz nach dem Start. 2003 brach die Columbia, das erste wiederverwendbare Space Shuttle der USA überhaupt, bei ihrem letzten Flug vor Außerdienststellung beim Eintritt in die Erdatmosphäre auseinander. Auch hier kamen alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben.

Die Columbia-Katastrophe war eine Zäsur in der Geschichte der bemannten Raumfahrt der USA.

In den 29 Monaten danach wurde die internationale Weltraumstation ISS ausschließlich von Russland betrieben und versorgt. 2011 endete das amerikanische Space Shuttle Program. Heute fliegen US-Astronauten mit russischen Sojus-Raumschiffen vom Weltraumbahnhof Baikonur zur internationalen Raumstation ISS. Extraterrestrisch klappt’s also schon mal ganz gut mit der Zusammenarbeit.

Aber sind Weltraumexpeditionen dieser Art die Zukunft? Es gibt drei Gründe, weshalb die bemannte Raumfahrt weltweit heute mit weniger Erwartungen verknüpft wird als in den Jahren vor 2003.

- Das hohe Risiko für die Astronauten
- verbesserte technische Möglichkeiten beim Einsatz von Satelliten und Sonden
- die extrem hohen Kosten

Rückblick: Das komplette Apollo-Programm kostete in den 1960er Jahren etwa 23 Milliarden US-Dollar, umgerechnet auf heute etwa 125 Milliarden US-Dollar. Die Jupiter-Sonde Juno, die 2018 Fotos vom größten Planeten unseres Sonnensystems schickte, kostete eine Milliarde US-Dollar. Wenn man weiß, dass sich der Mond mal schlappe 400.000 km von der Erde befindet, der Jupiter aber stattliche 626.000.000 km, ist Juno auf die Strecke umgerechnet ein echtes Schnäppchen.

Eine neue Mondmission – es existieren zurzeit diverse Planungsstufen - soll aber keine Menschen dorthin bringen, sondern Bodenproben auf die Erde.

Bei den mittlerweile vier Mars-Rover Expeditionen fuhr ein leidlich geländegängiges Fahrzeug über die Oberfläche des Planeten und sendete die Messergebnisse zur Erde. Ein Rover, Curiosity (Neugier), ist heute noch aktiv.

Auch wenn heute die heroisierende Erinnerung an die Mondlandung überwiegt, sah sich das Apollo-Programm in den 1960er Jahren in den USA vehementer Kritik aus den Reihen der US-Gegenkultur ausgesetzt.


Für sie war Raumfahrt nichts weiter als Rüstungsforschung und die Mondlandung selbst ein riesiges Ablenkungsmanöver mitten im desaströsen Vietnamkrieg. 

Die Neuen Sozialen Bewegungen kritisierten die Kosten und wiesen auf die zahlreichen konkreten Missstände in der US-Gesellschaft hin, deren Bekämpfung zu kurz käme. 1972 war Apollo 17 die letzte bemannte Mondmission, auf die ursprünglich geplanten 18, 19 und 20 verzichtete man aus Kostengründen.

Zurück in die Gegenwart: Der auf dem Mond spazierende Neil Armstrong war die Ikone des Jahres 1969. Er verkörperte einen großen Optimismus. Schwierige Probleme konnten erfolgreich gelöst werden.

Auch die heutige Welt könnte dann und wann mehr Optimismus und Aufbruch vertragen. Was wäre das prägende Bild für unsere Zeit?


Die visualisierte Initialzündung, die hilft, relevante Weichenstellungen vorzunehmen. Vielleicht der abgemagerte Eisbär auf seiner langsam schmilzenden Scholle, der den Klimawandel symbolisiert. Oder ein 2019 veröffentlichter Bericht der Vereinten Nationen, der millionenfaches Aussterben von Flora und Fauna prognostiziert?

Die Mondlandung hat bewiesen, dass technologisch (fast) alles möglich ist.

Während im Rückblick die Geschwindigkeit der Umsetzung erstaunt, wirkt die Trödelei bei wichtigen Gegenwarts- wie Zukunftsfragen heute eher niederschmetternd. Egal, ob es um das Einsammeln des Plastikmülls in den Weltmeeren oder die Abkehr vom klassischen Verbrennungsmotor geht, man tut so, als hätte man alle Zeit der Welt und sieht nicht die Notwendigkeit, um drängende Probleme unter Einschluss moderner und zukunftsweisender Technik umweltfreundlich und sozial gerecht auf der Erde zu lösen.

Auch wenn das immense Summen verschlingt bzw. verschlingen würde.

Der Earth Overshoot Day markiert jedes Jahr den Tag, an dem die Erde die Ressourcen, die sie jährlich selbst produzieren kann, bereits verbraucht hat. Im Jahr 1993 war das der 21. Oktober, im Jahr 2013 der 20. August.


Nicht nur für den Eisbären läuft der Countdown.






Die Raumfähre Challenger im All (1983); (Bild: wikipedia)


Ein interaktiver Zeitstrahl zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland ab 1945. Mehr