1969 - 2019: Fünfzig Jahre Mondlandung





4. Nationale Träume - Globale Probleme




Geträumt haben Menschen von Reisen ins All schon im 19. Jahrhundert. Jules Verne schrieb 1865 seinen Roman Von der Erde zum Mond.

Der Erste Weltkrieg (1914-18) brachte die ersten Kriegsflugzeuge, danach wurden Fortschritte in der Luft- und Raumfahrtforschung immer stärker mit nationalen Ambitionen und militärischen Zielen verknüpft. In den USA konkurrierten vor Gründung der zivilen Weltraumagentur NASA 1958 zunächst die verschiedenen Waffengattungen Army, Navy und Air Force.

Die erste Mondlandung war auch gedacht als ein Projekt, das die Vormachtstellung der USA im technologischen Bereich festschreiben sollte: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten als das Land, das Menschheitsträume wahr werden lässt.


Sechs US-Flaggen haben die US-Astronauten insgesamt in die Mondoberfläche gepflanzt. Durch die Strahlung im Weltall und das Sonnenlicht sind sie mittlerweile alle weiß, wie die NASA 2012 mitteilte.

1969 hatte man zumindest in Erwägung gezogen, statt des Star Spangled Banner die Flagge der Vereinten Nationen aufzustellen.

Letztlich setzte sich die nationale Botschaft durch. Der technologische Wettlauf im Kalten Krieg sollte die Überlegenheit der eigenen Weltanschauung beweisen.

Zugleich gab es auch damals schon Menschheitsprobleme, die so groß waren, dass man sich darüber einigte, sie über alle nationale Grenzen und ideologische Schranken hinweg gemeinsam zu bekämpfen.


Seit 1952 betreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein weltweites Netzwerk, um die Ausbreitung von Grippeviren zu überwachen. Eine Pandemie wie 1918, als der "Spanischen Grippe" mindestens 25 Millionen Menschen weltweit zum Opfer fielen, konnte so verhindert werden. Auch bei der Seenotrettung auf den Weltmeeren wird bereits seit mehr als 100 Jahren global kooperiert. 1909 ertönte zum ersten Mal der internationale Seenotrettungsruf als Morsezeichen: SOS.

Im Sommer 2019 blickt man sorgenvoll auf den Konflikt USA-Iran, der auch darin begründet ist, dass der Iran die Existenz Israels ablehnt und bekämpft. Was weniger bekannt ist: Seit 2017 gibt es in Jordanien den ersten Teilchenbeschleuniger des Nahen Ostens, ein internationales Labor mit dem Namen Sesame. Dort arbeiten sowohl israelische als auch iranische Wissenschaftler. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Heute gibt es viele internationale Abkommen, gegen Landminen oder gegen die Einfuhr gefährdeter Tierarten, die zumeist irgendwie auch Wirkung zeigen.

Sportlicher Ehrgeiz ist zwischen den Nationen aber nicht ausgebrochen, wenn es darum geht, die Erde zu retten oder drängende Fragen der Menschheit zu beantworten.


Wer will der erste sein, der sein Land nur mit erneuerbaren Energieträgern versorgt? Eine massentaugliche Brennstoffzelle baut? Sauberes Wasser für alle ermöglicht? Welches Land will 125 Milliarden Dollar oder Euro oder vergleichbar viele Rubel, Renminbi oder Yen investieren, um das gesamte Plastik aus den Weltmeeren zu holen? Die Liste ließe sich fortsetzen.

Sogar im Marianengraben, dem mit ca. 11.000 Metern tiefsten Punkt des Meeresbodens, hat ein Tiefseetaucher im Mai 2019 von Menschen erzeugten Müll gefunden. Was hätte Jules Vernes Käpt'n Nemo in seinem U-Boot Nautilus wohl gesagt, wenn 20.000 Meilen unter dem Meer ein Plastikbecher am Bullauge vorbeigekommen wäre?

Globale Zerstörungsrisiken erfordern grenzüberschreitendes Handeln. Klar, die Raumfahrt hat das längst erkannt und kennt kaum noch nationale Alleingänge. Seit dem faktischen Ende der bemannten Raumfahrt in den USA als Reaktion auf die Columbia-Katastrophe 2003 fliegen US-Astronauten vom Weltraumbahnhof Baikonur ins All, den Russland von Kasachstan gepachtet hat. Auf die internationale Raumstation ISS entsenden verschiedene Länder Wissenschaftler_innen, die ihre spezifischen Experimente durchführen.

Die Internationale Raumstation ISS soll 2024 stillgelegt werden. Vielleicht wird ihr Nachfolgeprojekt ja eine UNO-Mission, mit oder ohne Flagge. Im Weltall oder auf der Erde. Bedarf gäbe es genug.

Man könnte zum Beispiel alle Fischer zehn Jahre lang dafür bezahlen, den Plastikmüll in den Ozeanen einzusammeln und nach modernen Verfahren wiederzuverwenden. Das sichert Arbeit, die Fischbestände erholten sich und die Meere würden sauberer.

Generell ein guter Plan, oder?





Warum die Energiewende ein alter Hut ist