1969 - 2019: Fünfzig Jahre Mondlandung





8. Neuer Wettlauf - Alter Schrott



Im Jahr 2018 schickte China erstmals mehr Raketen ins Weltall als jedes andere Land. Am 2. Januar 2019 landete die Sonde "Chang'e 4", benannt nach der Mondgöttin, auf der Rückseite des Mondes.

Geplant ist, eine Mini-Biosphäre einzurichten und die erste Blume auf dem Mond zu pflanzen. 2030 will China seine eigene internationale Weltraumstation im All etablieren.

Das aktuelle "space race" kennt neben den alten Kontrahenten USA und Russland (vormals Sowjetunion) sowie der European Space Agency (ESA) einige neue Akteure.

2014 schoss Indien ein Modul ins All, mit dem 2020 ein erster bemannter Raumflug stattfinden soll. Die israelische Sonde "Bereschit", benannt nach dem Beginn der Genesis "Im Anfang", zerschellte am 11. April 2019 zwar auf der Mondoberfläche; eine Nachfolgemission, die auch wieder mit vergleichsweise wenig Geld überwiegend privat finanziert werden soll, ist geplant. Bereschit kostete 100 Millionen Dollar.

Das Weltall ist zwar unendlich, aber in der Erdumlaufbahn wird es langsam eng. Es gibt Wettersatelliten, Spionagesatelliten, Forschungssatelliten und Kommunikationssatelliten. Und bestimmt noch mehr.


Laut Statistischem Bundesamt befanden sich zum Stichtag Mitte Februar 2019 sage und schreibe 1957 Satelliten in der Erdumlaufbahn, davon 849 aus den USA. 284 stammen aus China, das mittlerweile beinahe doppelt so viele Satelliten im All hat wie Russland.

Die Routen über dem Äquator sind begehrt, aber Elon Musk denkt schon in anderen Dimensionen. Der Eigentümer von Tesla will mit seiner anderen Firma SpaceX das Projekt SpaceLink realisieren, bei dem 12.000 Satelliten ein "Internet im Weltall" schaffen sollen.

Etwa 20.000 Objekte kreisen um die Erde, von abgesprengten Raketenstufen bis zum nicht mehr funktionierenden Satelliten - drei Millionen Tonnen Weltraumschrott im All - nicht nur eine Gefahr für die dort rotierende ISS-Station. Eine TÜV-geprüfte und entsprechend zertifizierte Recyclingsverordnung oder etwas Ähnliches ist bisher nicht bekannt.

Wie auf der Erde sind auch im Weltraumrecht Haftungsfragen besonders knifflig. Wer zahlt, falls ein tonnenschweres Stück Abfall in der Atmosphäre nicht einfach verglüht, sondern irgendwo auf der Erde einschlägt?

Kein Wunder, dass das Weltraumrecht unter allen Aspekten von Tourismus über Abrüstung ein sehr junges juristisches Gebiet ist. Manches ist geregelt, anderes nicht.

Natürlich geht es auch um das Eigentum an Informationen, die aus dem Weltall erlangt worden sind. Da meist mehrere Länder zusammenarbeiten, sind nationale Alleingänge nicht so häufig wie bei der geplanten Ausbeutung von Rohstoffen in der ökologisch sensiblen Arktis. Das ist doch was!

Während auf der Erde wieder das Recht des Stärkeren in Mode kommt, sind die Herausforderungen des Weltalls ohne Kooperation nicht zu bewältigen.

Kann das Weltraumrecht in Zeiten, in denen multilaterale Organisationen wie EU und UNO von wichtigen Mitgliedsländern angezweifelt oder bekämpft werden, neue Strahlkraft für mehr internationale Zusammenarbeit auf Erden erzeugen? Ließe sich dieses Modell nicht auch auf die Arktis anwenden, um diese ökologisch sensible Region weiterhin vor Raubbau und Rohstoffausbeutung der Anrainerstaaten zu schützen?


Ja, es klingt etwas utopisch, aber warum denn bitteschön nicht!

Im Herbst 2011 standen 1,6 Tonnen Material des Röntgensatelliten Rosat vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre. Deutschland als einer der Betreiber hätte zusammen mit den USA (Trägerrakete) und Großbritannien (Instrument) für entstandene Schäden haften müssen. Der Satellit verglühte vollständig, es blieb bei einem Risikoszenario.

Je mehr Gegenstände die Erde umkreisen, desto größer die Gefahr eines Einschlags. Auch die Bewohner_innen der ISS sind durch den Einschlag eines Trümmerteils gefährdet.

Wie gut, dass Forscher aus der Schweiz seit 2013 dabei sind, eine Müllabfuhr für den Weltraum zu entwickeln. Der Satellit CleanSpaceOne soll in naher Zukunft Weltraumschrott einsammeln.

Bitte hinterlassen Sie Ihren Weltraum, wie Sie ihn vorzufinden wünschen.






Ein interaktiver Zeitstrahl zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland ab 1945. Mehr