1969 - 2019: Fünfzig Jahre Mondlandung





5. Was ist da draußen - Gut oder Böse?




Die Art und Weise, wie sich Menschen Außerirdische vorstellen, verweist immer zurück auf den Entwurf irdischer Zustände.

Sind sie intelligent und kommunikativ wie der Vulkanier Mr. Spock in Raumschiff Enterprise? Dann kann man mit ihnen reden und Probleme gemeinsam angehen. Prima.

Sind sie Killer und Monster wie in Alien oder Starship Troopers? Weniger ideal. Dann muss die Menschheit die Bedrohung vernichten oder vor ihnen fliehen. Denn sie zerstören die menschliche Lebensgrundlage. So die Logik nicht nur in Hollywood.

Irgendwie gilt doch: Wie man sich Fremde, Aliens im Englischen, vorstellt, ist für die weitere Existenz der Menschheit ähnlich entscheidend wie – sagen wir beispielsweise - der Umgang der Menschen mit bedrohlichen globalen Phänomenen wie Klimawandel und Umweltverschmutzung.


David Bowies Song Space Oddity (Major Tom) über das, was bei einem Weltraumflug passieren kann, kam in England nicht zufällig in der Woche vor der ersten US-Mondlandung am 20. Juli 1969 heraus. Einige Jahre später, 1985, sang Bowie Loving the Alien.

Der Film Die Reise zum Mond von Georges Méliès, einer der ersten Stummfilme überhaupt aus dem Jahr 1902, ist zum einen hochmodern. Die Teilnehmer der Expedition, ja wirklich – es sind alte weiße Männer mit langen Bärten -, sehen vom Mond aus nicht nur einen Erdaufgang, die Rakete landet auch wie einige Apollo-Kapseln Jahrzehnte später am Ende der Reise im Meer.

Ansonsten erzählt der Film eine klassische Kolonialgeschichte. Die Forscher werden auf dem Mond von Ureinwohnern angegriffen, einen nehmen sie mit zurück auf die Erde, wo er zur Schau gestellt wird. Ein Denkmal zeigt am Ende den besiegten Mond unter dem Stiefel eines Astronauten.

Die erzählerischen Entwürfe für den Umgang mit Außerirdischen sind so vielseitig wie die gesellschaftlichen Konzepte.

Die meistens gewaltlose, häufig schlitzohrige Herangehensweise in den beiden Fernsehserien Star Trek/ Raumschiff Enterprise (1966-69, ab 1972 im ZDF) und Raumpatrouille Orion (ARD, 1966), die fast zeitgleich im (west)deutschen Fernsehen Premiere hatten, nahmen in den späten 1960er Jahren den neuen Ton der Entspannungspolitik in gewisser Weise vorweg: In beiden Serien gibt es mit dem taktischen Offizier Pavel Chekov (Enterprise) und Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk (Orion) Vertreter_innen des Ostblocks auf der Kommandobrücke.

Verhandeln, Kooperation und sich gemeinsam den Gefahren stellen, die alle Mitglieder der Crew in gleicher Weise bedrohen, sind die humanistische Botschaft, die beiden Serien Kultstatus eingebracht hat.


Mit der Mondlandung eröffnet sich das gesamte Weltall als Kammer der Phantasie. Zehn Jahre später, im Jahr 1979, präsentierte Ridley Scott im ersten Film aus der Alien-Reihe ein Monster, das wie nur wenige andere in der Filmgeschichte Angst und Schrecken erzeugte. Star Wars verbindet beides, eine Vielfalt, die Wookies und Androiden einschließt einerseits, andererseits auch die Notwendigkeit, gegen das absolut Böse Kriege zu führen, Star Wars eben.

In Mars Attacks! von Tim Burton greifen Marsianer die Erde an. In Iron Sky, einer finnischen Produktion aus dem Jahr 2012, sind es Nazis, die sich seit 1945 auf der dunklen Seite des Mondes auf die Welteroberung vorbereitet haben.

Ob Perry Rhodan, der seit 1961 ältesten ununterbrochen erscheinenden Science-Fiction-(Groschen)Romanreihe oder Fritz Langs Film Die Frau im Mond von 1929: Immer ist die Erkundung des Weltalls auch mit der Suche nach technologischen Möglichkeiten verbunden.


Verschiedene Raumschifftypen, Waffensysteme, Antriebe, das Problem in unterschiedlichen Atmosphären zu überleben - das Weltall mit seinen unendlichen Weiten bietet Platz für unendliche Entwürfe.

Die Verknüpfung von High Tech und ausgedachten Geschichten gab dem Genre Science Fiction seinen Namen. Es bedeutet Wissenschaftserzählung. Dazu gehört auch die Durchbrechung des Raum-Zeit-Kontinuums, die es ermöglicht, von einer Epoche zur anderen zu springen.

Zurück in die Zukunft (1985) von Robert Zemeckis spielt mit diesen Möglichkeiten ebenso wie Terminator (1984) von James Cameron.

In die Vergangenheit reisen, um die Existenz der Menschheit in der Zukunft zu sichern - das klingt verlockend angesichts der irdischen Versäumnisse, ist aber wohl nur eine Geschichte.