Die Deutschen und ihr Wald

Ein Spaziergang zwischen Märchen, Management und Mythen



Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald
, das ist bekannt.

Das Lied aus der Oper von Engelbert Humperdinck aus dem Jahr 1893 wird heute noch gesungen.

Etwa die Hälfte der 200 Märchen der Gebrüder Grimm spielen im Wald: Ein Förster findet ein Kind. Räuber überfallen eine Reisegruppe. Rotkäppchen begegnet dem Wolf.

Wer heute einem Wolf im Wald begegnet, macht die Erfahrung nicht mehr ohne Wolfsmanagementplan.

Wenn wir uns heute auf einen Waldspaziergang begeben, finden wir ein Dickicht aus Mythen, Märchen und moderner Bürokratie.


Es gibt Waldinventuren und -zustandsberichte, Jagd-, Forst- und Umweltgesetze, ein Hakenkreuz aus Bäumen, das in der NS-Zeit gepflanzt wurde, den Räuber Hotzenplotz, das Waldsterben, ein paar winzige Flecken Urwald, nationalistische Gedichte über deutsche Eichen und Linden aus dem 19. Jahrhundert. Baumwipfelpfade und Klettergärten dürfen in keinem Naherholungsgebiet mehr fehlen. Oh Tannenbaum gehört immer noch zum Weihnachtsfest, auch wenn Großvater Hoppenstedt bei Loriot feststellte: Früher war mehr Lametta. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Damit wir uns auf unserem Spaziergang nicht verlaufen, gibt es neun Kapitel, von denen sich je drei mit einer grundlegenden Frage näher beschäftigen:

  • Auf welchen Werten basiert unsere Gesellschaft?
  • Wie wollen wir leben?
  • Was hat das mit Identität zu tun?


Einen ersten Zugang ermöglicht die Nachhaltigkeit. Dieses sperrig-spröde Zauberwort, das die Debatten um einen ökologischen Politikwandel prägt, wurde nicht 1968 auf einem "linksgrünversifften" Kinderbauernhof in Berlin-Kreuzberg erfunden, sondern 1713 im sächsischen Städtchen Tharandt. Dort ist heute die älteste Forstakademie der Welt zuhause.



Bild: Baumkrone (schlegelfotos/istock)

Ralf Oberndörfer

Ralf Oberndörfer ist Volljurist und arbeitet als freiberuflicher Rechtshistoriker in Berlin. Er beschäftigt sich mit der deutschen Justiz- und Polizeigeschichte des 20. Jahrhunderts und mit der Bekämpfung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Zum Ausgleich hackt er gerne Holz, macht Nachtwanderungen zu Wolfsgehegen und besucht Urwälder und Baumwipfelpfade. Mehr: www.histox.de


Bild: Frau mit Hund beim Wandern (istock/ K_Thalhofer)

I. Auf welchen Werten basiert unsere Gesellschaft?






II. Wie wollen wir leben?





III. Was hat das mit Identität zu tun?