Die Deutschen und ihr Wald

I. Auf welchen Werten basiert unsere Gesellschaft?



Axt: LeonidKos/istock

1. Nachhalten und Vorsorgen

Von Ralf Oberndörfer

In seiner Anweisung zur wilden Baumzucht fasste Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) seine Erfahrungen aus vier Jahrzehnten Arbeit zusammen. Als Berghauptmann war er für die Sicherung des Holznachschubs in den Hüttenwerken des Erzgebirges zuständig. Das ungehemmte Abholzen wollte er durch eine "continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung" ersetzen. Nur so viel Holz schlagen, wie nachwächst.

1760 ordnete Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach (die mit der berühmten Bibliothek) als erste Herrscherin in Deutschland eine Forstreform nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit an. Der Wald wurde vermessen, die Bäume gezählt, der zu erwartende Ertrag berechnet.

1794 sollte Alexander von Humboldt den Bergbau im Fichtelgebirge sanieren. Er fand es "unbegreiflich, dass man [...] so wüthig als in Franken abholzt und Holz- und Wassermangel zugleich erregt." Für ihn war Natur ein "netzartig verschlungenes Gewebe", in dem alles mit allem zusammenhängt.

J. W. Goethe, hoher Beamter am Hof von Weimar, war der erste deutsche Autor, der das Wort "Umwelt" verwendete. Wir finden es in Italienische Reise bei der Überquerung der Alpen 1814/1815. Nachhaltigkeit war Aufklärung.

Hier und heute lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse. Der Earth Overshoot Day erinnert daran, wann all das verbraucht ist, was die Erde in einem Jahr produzieren kann. Im Jahr 2018 fiel der Earth Overshoot Day auf den 1. August 2018. Erstmals begangen wurde er 1986, am 25. September.

Wir leben nicht in der Nachhaltigkeit, wir leben über unsere Verhältnisse. Jedes Jahr ein wenig mehr.

 

 

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Ein interaktiver Zeitstrahl zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland ab 1945. Mehr