Die Deutschen und ihr Wald

I. Auf welchen Werten basiert unsere Gesellschaft?



Waldplantage: marnag/istock

3. Reinertrag in der Nadelholzplantage

Von Ralf Oberndörfer

Laut der letzten Bundeswaldinventur gab es 2014 11,4 Mio. Hektar Wald in Deutschland.

29 Prozent des Waldes sind Eigentum der Länder, 19 Prozent Eigentum von Körperschaften und vier Prozent gehören dem Bund. 48 Prozent der Forstfläche gehören etwa zwei Mio. körperschaftlichen und privaten Waldeigentümern.

In der "Anlage L, Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft" müssen Sie Angaben zu Einkünften aus "Holz auf dem Stamm" und "eingeschlagenem Holz" machen. Auf Holznutzung infolge höherer Gewalt (Kalamitätsnutzung) - Eis-, Schnee-, Windbruch oder Käferfraß - wird nur der halbe Steuersatz erhoben, wenn, so ein Merkblatt der Bayerischen Finanzverwaltung, unverzüglich nach Feststellung der Schaden gemeldet und und das Holz nach ordentlicher und außerordentlicher Nutzung getrennt nachgewiesen wird.

Mit Wald läßt sich Geld verdienen, deshalb sind 80 Prozent der Forstfläche in Deutschland eigentlich keine Wälder, sondern Nadelholzplantagen, wo sich schnell und billig Holz ernten läßt.

Der moderne Kapitalismus hielt Einzug im deutschen Wald im Jahr 1858 mit der Bodenreinertragslehre von Max Robert Pressler. Ausgehend von Adam Smith und seinem Buch "The Wealth of Nations" (1776) rief Pressler die nachhaltige Gewinnmaximierung als beste aller forstwirtschaftlichen Strategien aus. Die kameralistische Nachhaltigkeit galt als zu bürokratisch, zu langsam, zu wenig gewinnorientiert, zu staatlich.

Man verkürzte die Umschlagzeit durch schnell wachsende Baumarten wie Fichten und Kiefern, die heute 25 und 22 Prozent des Baumbestandes ausmachen. Umschlagszeit nennt man die Zeit, die ein Baum braucht, bis er geschlagen und verwertet werden kann. Kiefern, die bis zu 600 Jahre alt werden, werden heute nach 80 Jahren geschlagen. Eine Kiefernplantage wird in 80 Parzellen (Schläge) unterteilt, um sie ohne zeitliche Unterbrechung abholzen zu können.

Monokultur ist nicht nachhaltig. Sie begreift den Wald nicht als Netzwerk und unterteilt Lebewesen in Nützlinge und Schädlinge.

Plantagen sind anfälliger für Wetter- und Insektenschäden, aber dafür gibt es Steuervergünstigungen.


Ein interaktiver Zeitstrahl zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland ab 1945. Mehr