Die Deutschen und ihr Wald

II Wie wollen wir leben?



Wolf: hkuchera/istock

5. Waldschänken und Wölfe

Von Ralf Oberndörfer

Und dann mit dir im Wald allein, trällerten die Comedian Harmonists. Wochenend und Sonnenschein gibt es immer wieder, aber allein?

Es gibt viele schöne Dinge, die man im Wald machen kann, ob Trimmparcours, Marathonlauf, Baumwipfelspaziergang, Reiten oder Mountainbike fahren. Millionen sind unterwegs, und das Bundeswaldgesetz stellt fest: "Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist gestattet."

Statistisch gesehen kommen auf einen Deutschen mehr als 1000 Bäume. Trotzdem sind Einsamkeit und Ruhe auch im Wald selten. Wer sich naherholt, Pilze füttert und Wildschweine sammelt (oder lieber umgekehrt?), geschützte Blumen wie den Fingerhut nicht pflückt, sondern bestaunt, der darf sich anschließend stärken.

Zu diesem Zweck gibt es in großer Zahl Gasthäuser, die den Namen Waldsch(a)enke tragen: In Moritzburg bei Dresden in einem Gebäude von 1770, in Hohenwarthe (Sachsen-Anhalt), Beneditkbeuern (Bayern), Selfkant (Nordrhein-Westfalen), Rosengarten (Niedersachsen), sogar in Schönwalde am Bungsberg in Schleswig-Holstein, dem waldärmsten Bundesland. Natürlich gibt es Waldschänken in Drübeck im Harz und in Wellingholzhausen in der Nähe des Teutoburger Waldes. Der Brocken und Hermann der Cherusker sind mythische deutsche Orte. Die Waldschänke Steinbüschel in Ehrenfriedersdorf (Sachsen) hieß früher Jagdschänke und noch früher Onkel Toms Hütte, in Rheinstetten (Baden-Württemberg) bietet die Waldschänke griechische Küche.

Am Wildschweingehege erfreut sich der Waldgänger der Possierlichkeit der Frischlinge, in seinem Garten will er die Rotte jedoch nicht und ruft nach dem Jäger, die Plage zu beseitigen.

Wir lieben die Natur, aber sie soll kontrollierbar sein.

Das ist eine der Ursachen für den Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, wenn es um den Umgang mit Wölfen geht. Für die einen ist Wolfsmanagement ein Widerspruch in sich, für die anderen der Weg zur Balance zwischen Mensch und Tier.

 

 


Ein interaktiver Zeitstrahl zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland ab 1945. Mehr