Nr: 16
Name: Die Kommune

Was bedeutet der demographische Wandel für die Kommunen?

Inhalt:

  • Bevölkerungsentwicklung: Unterschiede in Stadt und Land
  • Älter werdende Gesellschaft
  • Sozialer Zusammenhalt- Vereine und kulturelle Treffpunkte

Prof. Gunnar Schwarting, Verwaltungswissenschaftler

Was bedeutet der demographische Wandel für die Kommunen?


Der demographische Wandel steht seit einigen Jahren im Mittelpunkt von Zukunftsdebatten. Dabei werden meist drei Entwicklungen genannt:

  • Die Bevölkerung geht allmählich zurück
  • Die Gesellschaft wird älter
  • Die soziale Struktur wird bunter


Keiner dieser erwarteten Trends ist bedrohlich; aber er erfordert auf allen Ebenen vorausschauendes Handeln. In der Gemeinde ist die erste wichtige Frage, wie sich die Bevölkerungszahl entwickelt hat und voraussichtlich entwickeln wird.

 

Bevölkerungsentwicklung: Unterschiede in Stadt und Land

Derzeit ist zu beobachten, dass es einen Zuzug in die Städte und ihr Umland gibt, umgekehrt viele ländliche Regionen Einwohner_innen verlieren.

  • In den Zuzugsorten geht es um Baumöglichkeiten für zusätzliche Wohnungen, die Notwendigkeiten neuer Kindertagesstätten und Klassenräume in Schulen oder eine Erweiterung des Abwassernetzes.

  • In den Regionen, die Einwohner verlieren, stehen umgekehrt Fragen nach dem Erhalt von Schulen, dem Verfall der Grundstückspreise oder der Schließung von Geschäften im Raum.

  • Während über den Zuzug neuer Einwohner offen diskutiert wird, zählt die „Schrumpfung“ zu den Themen, über die auch Kommunalpolitiker ungern sprechen.


Den Kopf aber in den Sand zu stecken, wäre falsch. Nur wenn die Gemeinde den demographischen Wandel akzeptiert und offen diskutiert, kann sie eine Politik für die Zukunft betreiben.

 

Älter werdende Gesellschaft

Der zweite Trend ist die Alterung der Gesellschaft. Auch dieser Prozess ist regional höchst unterschiedlich verteilt. In vielen Städten und ihrem Umland schreitet er wesentlich langsamer voran als im ländlichen Raum. Eine älter werdende Bevölkerung stellt andere Anforderungen an die gemeindliche Infrastruktur.

  • Wie kann z.B. Mobilität (abgesenkte Bordsteine, längere Grünphasen für Fußgänger) sichergestellt werden?

  • Wie sieht es mit dem öffentlichen Nahverkehr aus, wenn Menschen nicht mehr mit dem eigenen Auto fahren können?

  • Wie kann Menschen über einen Pflegedienst hinaus geholfen werden, wenn sie ihre Wohnung nicht oder nur sehr schwer verlassen können, aber nicht in ein Heim ziehen möchten?

  • Älter werden bedeutet aber nicht unbedingt den Verlust an Bewegungsfreiheit. Immerhin ist der Seniorensport die am schnellsten wachsende „Sportart“. Für Gymnastik und Fitness im Alter bedarf es nicht immer einer komplett ausgestatten Sporthalle. Hierfür kann die Gemeinde die Räume im Dorfgemeinschafts- oder Bürgerhaus öffnen.

  • Schließlich: Kann es einen Dialog zwischen den Generationen geben („jung trifft alt“)? Können Jüngere die Älteren mit neuen Kommunikationsformen vertraut machen? Können Ältere ihr Erfahrungswissen an die junge Generation weitergeben?


Die Gemeinde kann diese Fragen nicht alle selbst lösen. Vieles wird in Selbstorganisation oder mit ehrenamtlichen Kräften zu bewältigen sein. Aber die Gemeinde kann die Anstöße geben, Hilfestellung (ggf. auch finanziell) leisten und Netzwerke bilden.

Eine wichtige Funktion haben die Senioren selbst. Sie können in vielfältiger Form, z.B. über einen Seniorenbeirat, anregen und mitgestalten. Denn, so heißt es im Selbstverständnis des Mainzer Seniorenbeirats: „Nicht ohne uns, nicht über uns, nur mit uns!“


Sozialer Zusammenhalt – Vereine und kulturelle Treffpunkte

Die dritte demographische Herausforderung ist die soziale Struktur in einer Gemeinde. Sie verändert sich laufend durch Zu- und Fortzüge, Geburt und Tod. Entscheidend ist es, den sozialen Zusammenhalt über Alter, Herkunft und Lebenslagen hinweg sicherzustellen.

Dazu leisten vor allem Vereine und Initiativen eine herausragende Arbeit. Beim Sport, bei der Musik, in der Kirche, der Feuerwehr oder zu Umweltthemen. In der Fastnacht werden Menschen am leichtesten über gemeinsame Interessen zusammengeführt.

Da diese Organisationen oft Jugendarbeit betreiben, fördern sie frühzeitig das Verständnis für das Zusammenleben in einer Gruppe. Die Gemeinde kann die Vereine dabei unterstützen, indem sie Spiel- und Versammlungsstätten bereitstellt, insbesondere die Jugendarbeit finanziell fördert und den ehrenamtlich Tätigen mehr Anerkennung als nur ein paar freundliche Worte zollt.

Manche Gemeinden stellen einen so genannten Ehrenamts-Pass aus, mit dem ein günstigerer Eintritt in das Schwimmbad, das Museum oder andere öffentliche Einrichtungen verbunden sein kann.


Eine PDF zum Download des Textes ist in Bearbeitung und wird nachgereicht.

 

 

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