"Die Trennung überwinden" - Der innerdeutsche Paketverkehr als Beziehungsgeschichte

Über Paketinhalte, Schnüffeleien durch Geheimdienste und ritualisierte Hilfe per Paket


von Konstanze Soch

Das Postamt Leipzig N 18 war Anfang der 1950er Jahre das größte Umschlagpostamt der DDR. Von hier wurden Pakete in beide deutschen Staaten verschickt. Bild (1952): Bundesarchiv




Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – Deutschland war in vier Besatzungszonen und Berlin in vier Sektoren aufgeteilt – waren Briefe, Päckchen und Pakete die wichtigste Möglichkeit, um den Kontakt mit Verwandten und Bekannten aufrechtzuhalten.

Doch der Postbetrieb musste in den ersten Wochen und Monaten nach dem Krieg im Sommer 1945 erst wieder aufgebaut werden. Oft waren die Menschen darauf angewiesen, dass Verwandte und Bekannte Briefe und Pakete persönlich überbrachten. Erst zum Jahreswechsel 1945/46 kam es zur Installation eines zonenübergreifenden Postverkehrs. Die Hilfe, sie sich in Form von Päckchen und Paketen materialisierte, war für die Versender und Empfänger wichtig.

Nach Kriegsende waren es jedoch nicht nur die privaten Geschenksendungen innerhalb Deutschlands, die den Menschen Freude bereiteten. Für jene ersten Jahre nach dem Krieg war es zunächst weniger der innerdeutsche Päckchen- und Paketverkehr, der den Menschen in Erinnerung geblieben ist, sondern vielmehr die sogenannten CARE-Pakete. Die stets aus hellbraunem stabilen Pappkarton produzierten Pakete mit der Aufschrift »C.A.R.E. – U.S.A.« waren bald der konkretisierte Traum von Freiheit und Wohlstand im grauen Nachkriegsalltag.

In kürzester Zeit wusste jedes Kind, dass to care für sich sorgen stand und die Pakete oft mit exotisch anmutenden und unbekannten Produkten wie beispielsweise Erdnussbutter oder Corned Beef gefüllt waren. Es überrascht deshalb kaum, dass einzig CARE als Versender von ausländischen Hilfspaketen in Erinnerung geblieben ist und sich beispielsweise kaum jemand an die tausenden Tonnen von Lebensmittel aus Norwegen (möglicherweise Fisch) oder Argentinien (möglicherweise Kaffee) erinnert.




Zum Weiterlesen:
Konstanze Soch: "Eine große Freude? Der innerdeutsche Paketverkehr im Kalten Krieg (1949-1989)", Frankfurt / Main, 2018 (Campus Verlag).




Drei Fragen an Konstanze Soch:

Konstanze Soch, Dr. phil

Mitarbeiterin beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Ihre Dissertation "Eine große Freude? Der innerdeutsche Paketverkehr im Kalten Krieg (1949-1989)" ist 2018 im Campus Verlag erschienen. 


Ein interaktiver Zeitstrahl zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland ab 1945. Mehr