Wie die Finanzmärkte kontrolliert werden können

Vorschläge zur stärkeren Regulierung des Finanzmarkts von Gustav A. Horn



Einleitung

Dass die Finanzmärkte unter Kontrolle gebracht werden müssen, ist inzwischen breiter Konsens.

  • Doch wie soll das geschehen?
  • Und muss eine internationale Übereinkunft über alle Maßnahmen bestehen oder könnte nicht auch Deutschland allein aktiv werden?


Seit Ende der 70er Jahre hat sich das Wirtschaftssystem der westlichen Industriestaaten grundlegend gewandelt. Im Zuge einer Politik, die die Märkte zunehmend deregulierte, verschob sich die Verfügungsmacht über die Produktionsmittel und damit auch über die Renditen spürbar. Die Deregulierung der Finanzmärkte führte dazu, dass immer mehr finanzielle Mittel auf die Wertpapiermärkte flossen.

Neue Eigentümer waren zunehmend institutionelle Anleger von Kapital sammelnden Fonds verschiedenster Provenienz. Im Unterschied zu wenig machtbewussten Einzelaktionären üben sie ihre Rechte als eigentliche Eigentümer allerdings aktiv aus. 

Mit Finanzmarktkapitalismus wird vor allem jene Konstellation beschrieben, nach der Unternehmen auf der Basis von Finanzmarktkriterien geführt werden. Dies verleiht den Unternehmen des Finanzsektors über ihre Funktion als Kapitalsammel- und Verteilungsstelle besondere Macht. Sie gewinnen an Verfügungsmacht über die Produktionsmittel. Verlierer dieser Veränderungen sind prinzipiell die abhängig Beschäftigten, die sich nunmehr gegen eine Koalition aus Finanzmarktinvestoren und Management durchsetzen müssen. In Deutschland wird diese Machtverschiebung jedoch durch die unveränderten Mitbestimmungsregelungen gemildert.

Die grundlegende Veränderung im Wirtschaftsgefüge besteht in der erhöhten Beweglichkeit des Finanzkapitals. Diese Beweglichkeit festigt die wirtschaftliche Machtposition gegenüber dem Realkapital und den Beschäftigten, die zwangsläufig langsamer reagieren, und sichert im Vergleich zu diesen höhere Renditen. Das wiederum erhöht den Anreiz, statt in Realkapital in Finanzkapital zu investieren, und vergrößert den Finanzsektor zunehmend.

In die gleiche Richtung wirkt, dass die Altersvorsorge auf globaler Ebene verstärkt über die Anlage als Finanzmarktkapital statt im Umlageverfahren geschieht. Dies erhöht gleichfalls den Zustrom auf den Finanzmarkt und begründet die Existenz von Pensionsfonds, die aufgrund .ihres hohen Anlage suchenden Kapitalbestands erheblichen Einfluss ausüben.

Die veränderte Machtbalance im Wirtschaftsgefüge führt zu einer Umverteilung der Renditen. Jene auf Investitionen oder Beschäftigung in der Realwirtschaft sinken im Vergleich zu denen im Finanzsektor. Dies ist aber kein auf Dauer haltbarer Zustand. Denn die Renditeansprüche des Finanzkapitals sind auf lange Sicht nicht erfüllbar.


Schließlich kann dies nur auf der Basis realwirtschaftlicher Rendite geschehen. Das Finanzkapital befindet sich damit in einer strukturellen Entwertungsgefahr.




Bild: Münzstapel (strelok/panthermedia)

Gustav Horn


(*1954) ist Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung und außerplanmäßiger Professor an der Universität Flensburg.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der „Neuen Gesellschaft – Frankfurter Hefte“ (Ausgabe: 3/2013).