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Finanzielle Notlagen bei den Spendern

Die ins Leben gerufene humanitäre Hilfe für Polen Anfang der 1980er spaltete die westdeutschen Päckchen- und Paketversender allerdings in zwei Lager, jedoch geeint in der Forderung, dass auch für Geschenksendungen in die DDR nun die Möglichkeit bestehen müsse, zu bestimmten Zeiten kostenlos versenden zu können.

Beschwerden bei der Politik
Viele Versender wandten sich mit ihrem Unmut an das Bundesministerium für Post- und Fernmeldewesen sowie an das Bundespräsidialamt. Die Eingaben ähnelten sich in der Beschreibung der Lebenssituation und in der Einschätzung, in welchem Umfang der Versand von Westpaketen die eigenen Finanzen belaste. Dies diente meist dazu, den Ausführungen mehr Nachdruck beziehungsweise eine höhere Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Denn die Mehrzahl dieser Briefverfasser_innen war bereits verrentet und hatte wie die Zeitzeugin Frau Ziegler »treu und brav all die Jahre hindurch Freunde und Verwandte in der DDR mit Päckchen u. Paketen, trotz schmalen Geldbeutels, versorgt«. Mittlerweile seien die Portokosten jedoch so hoch, dass sie sich das nicht mehr leisten könne und ihren Verwandten und Bekannten mit großem Schamgefühl mitgeteilt habe, den Versand einstellen zu müssen. Dies wiege ihrer Einschätzung nach besonders schwer, da die meisten Westpaketversender selbst aus der DDR stammten und sich daher verpflichtet fühlten, mit Geschenksendungen Unterstützung zu leisten.

Des Öfteren verwiesen Verfasser_innen darauf, dass bei geringeren Portogebühren beziehungsweise einer zeitweise kostenlosen Beförderung das gesparte Geld nicht einbehalten, sondern wieder den Empfänger_innen in der DDR zugute käme. So könnten insgesamt mehr Pakete mit mehr Inhalt geschickt werden.

Aus einem Teil der Briefe geht das konkrete Alter der Versender_innen hervor, die Hilfspakte nach Polen schickten. Viele sind im gleichen Alter wie die Versender der ersten Untersuchungsgruppe (Jahrgänge 1923-35). Teilweise sind sie älter.

Auffällig ist bei den Briefverfassern wie bei den interviewten Zeitzeugen dieser Jahrgänge immer wieder der Verweis, dass der Versand von Geschenksendungen nicht immer einfach zu realisieren und häufig mit finanziellen Beeinträchtigen verbunden sei.

Ein anderer Teil der Menschen begrüßte die Unterstützung der polnischen Bevölkerung als ein »sehr löbliches Unternehmen« und bejahte dessen Notwendigkeit. Dennoch sollten die Menschen in der DDR nicht vergessen werden, »denen es in diesem Jahr nicht viel besser geht als den poln. Menschen« . Um diesem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, wurde in den Briefen immer wieder der Alltag in der DDR beschrieben – unabhängig davon, ob die DDR regelmäßig oder zuletzt vor mehr als zwanzig Jahren besucht wurde.

Aus vielen Briefen an das Bundespräsidialamt und das Ministerium für Post und Fernmeldewesen geht weiterhin hervor, dass sich die Menschen in ihren persönlichen Bemühungen durch die Bundesregierung nicht ausreichend unterstützt fühlten. Eine Feststellung, die zunächst überrascht, ermöglichte es die Bundesregierung seit mehreren Jahrzehnten, Päckchen und Pakete in die DDR steuerlich geltend zu machen.

Zudem hatte sie durch den deutsch-deutschen „Grundlagenvertrag“ und das „Transitabkommen“ Anfang der 1970er Jahre erreicht, dass gegenseitige Besuche einfacher zu realisieren waren.




Konstanze Soch über die Hilfspakettradition in Deutschland

Handgeschriebenes Inhaltsverzeichnis eines Pakets für die DDR

Inhaltsverzeichnis eines geöffneten Westpakets - BStU, MfS, HA II, Fo, Nr. 314, Bl. 17. Bereitstellung: K. Soch




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