Aussöhnung und Verständigung



Durfte Brandt knien? Der Kniefall und der deutsch-polnische Vertrag


Willy Brandt 1970 am Mahnmal des Warschauer Ghettos; Bild: Bundesbildstelle

Alexander Behrens

"Es war die politisch wegweisende Geste am Beginn eines wechselvollen Jahrzehnts. Der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal des Warschauer Gettos hat damals alle Beobachter völlig überrascht, wenn nicht überwältigt. Wer sich Filmaufnahmen dieses Moments ansieht, fühlt noch heute einen leisen Schauer auf dem Rücken, wenn Brandt plötzlich auf die Knie sinkt, den Kopf aufrecht, die Hände ineinander gelegt, und auf dem nassen Stein des Monuments vor dem Gedenkkranz verharrt."

Alexander Behrens' Text führt in die Thematik und das politische und mediale Umfeld des "Warschauer Vertrages" von 1970 ein, in dessen Rahmen sich am 07. Dezember Willy Brandts historischer Kniefall ereignete. 


Deutschlands schwieriger Weg im 20. Jahrhundert

„Von der improvisierten zur geglückten Demokratie. Deutschlands schwieriger Weg im 20. Jahrhundert.“

Edgar Wolfrum

Zum sechzigsten Jahrestags der Gründung der Bundesrepublik Deutschland referierte Prof. Dr. Edgar Wolfrum am 27. Februar 2009 in Berlin über „Von der improvisierten zur geglückten Demokratie. Deutschlands schwieriger Weg im 20. Jahrhundert“. Der Vortrag reflektiert in diesem Kontext fünf Vergleichsebenen:

  • 1919 – 1949: Verfassungen
  • 1918 / 19 – 1989: Revolutionen
  • 1939 – 1969: Krieg und Frieden
  • 1929 – 1979 – 2009: Wirtschaftskrisen
  • 1949 – 1989: Demokratie und Diktatur


Der Autor zeichnet die Entwicklung nach zwischen nationalsozialistischem Vernichtungskrieg des Deutschen Reiches hin zur jungen Bundesrepublik mit geschöntem Blick auf die eigene Vergangenheit in den 1950er Jahren und sich einer ab den 1960er Jahren herausbildenen Aussöhnungspolitik mit den Staaten im Westen und Osten Europas.

Den vollständigen Vortrag mit allen Kapiteln finden Sie hier.

Fünf Deutschlands in einem Jahrhundert

„Ein Deutscher, der um 1900 geboren wurde, konnte, wenn ihm ein langes Leben beschieden war, Erfahrungen machen mit fünf Deutschlands (...) – eine Untergangshäufigkeit innerhalb kürzester Zeit, die einmalig ist in der ganzen Weltgeschichte:

  • 1918 wurde die Monarchie zu Grabe getragen, ging in den Stürmen des Ersten Weltkrieges das Kaiserreich zugrunde;
  • die überforderte Weimarer Republik existierte mit Müh’ und Not nur bis 1933;
  • das totalitäre „Dritte Reich“ war 1945 endlich zertrümmert;
  • die realsozialistische DDR überlebte immerhin vierzig Jahre;
  • nur die Bundesrepublik erwies sich als stabil und besteht, wenngleich seit 1990 in veränderter Weise, bis heute fort.“

Die Krankheit Nationalismus


Peter Glotz / J.H. Darchinger/FES

Peter Glotz 

Prof. Dr. Peter Glotz (1939-2005) - SPD-Politiker, MdB, Publizist – skizziert in seinem 1995 veröffentlichten Essay das menschenfeindliche Wesen von Flucht und Vertreibung. Er führt aus, dass Vertreibungen seit Menschengedenken stattfinden, markiert aber auch die neuartige, bewusst eingesetzte Gewaltdimension im Vertreibungskontext des 20. Jahrhunderts.

Glotz sieht eine Ursache dieser „Exzesse“ in der im 19. Jahrhundert in Europa philosophisch hergeleiteten „Verfluchung der Vermischung“. Der Autor mahnt, Vertreibungen nicht ausschließlich als historisches Ereignis zu betrachten, denn sie sind weiterhin Teil der Gegenwart und nur bedingt versöhnungsfähig.

Dieser Essay, zuerst am 17.03.1995 in der Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ erschienen, ist der Publikation „Gelebte Demokratie. Essays und Porträts aus drei Jahrzehnten.“ (2006) des Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH entnommen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Unterstützung.